Abgesehen vom strahlenden Violett metallisé und der flachen Ladebrücke sieht man dem fünfachsigen Renault Trucks C520 40-Tonner nicht gleich an, dass es sich dabei um einen ganz speziellen, wenn nicht einzigartigen Lastwagen in der Schweiz handelt.

 

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Das in Sennwald SG angesiedelte Unternehmen La Fresa/Reproad AG, welches auf das «schnelle und effiziente Abtragen von Beton- und Asphaltschichten» spezialisiert ist, benötigte ein geeignetes Transportfahrzeug für seine tonnenschweren Fräsmaschinen. Ein Renault Truck sollte es sein, bestellt bei der Renault Trucks Garage J. Eberle AG in Buchs SG, die nur etwa zehn Kilometer von La Fresa entfernt liegt. «Wir fahren seit fast 30 Jahren sehr gut mit Renault Trucks», betonte Markus Lampert, Bauführer und technischer Berater bei La Fresa. «Den ersten Renault Truck haben wir bereits 1995 erworben.» Wichtig für die Beschaffung sei, neben der Qualität von Renault Trucks, vor allem die Nähe zur Garage. «Wir haben viele Nacht- und Wochenendeinsätze und da brauchen wir einen zuverlässigen, 24/7 verfügbaren Partner. Und den haben wir mit der Garage J. Eberle AG gefunden. Ich habe übrigens lange selbst einen Renault Trucks Magnum gefahren, mit dem ich mich sehr wohlgefühlt habe.» Auch die Fahrer bei La Fresa sind laut Lampert sehr zufrieden mit den Renault Trucks.

Zu der Besonderheit der Ladebrücke des Neufahrzeugs mit der Inventarnummer 105, übrigens der zwölfte Renault Truck in der Flotte von La Fresa, erklärte Lampert: «Schon vor 20 Jahren hat Erich Elkuch, der ehemalige Geschäftsführer von La Fresa und langjähriger Kunde der Garage J. Eberle AG, die Ladebrücken selbst konstruiert und auf die Bedürfnisse des Unternehmens ausgelegt.» Er war der Erste, der schwere Belagsfräsen auf Solofahrzeugen transportierte, anstatt auf Tiefgänger-Aufliegern.

Die Bachelorarbeit

«Vor etwa vier Jahren kam Markus Lampert von La Fresa auf uns zu, nachdem er von den meisten Anbietern Absagen erhalten hatte, ob wir nicht einen geeigneten Aufbau konstruieren könnten», erklärte Juniorchef Janin Eberle, der zu diesem Zeitpunkt noch im Studium an der Automobil- und Fahrzeugtechnik BFH in Biel steckte. Sein Gebiet: «Automobiltechnik mit Vertiefung Fahrzeugbau». Seine Bachelorarbeit befasste sich mit der Entwicklung und Konstruktion eben dieser speziellen Stahlbrücke mit besonderen Anforderungen an den Leichtbau zur Gewichtseinsparung mit gleichzeitigem Nutzlastgewinn. Die Brücke inklusive des Hilfsrahmens musste hohe Punktlasten, etwa durch die kurzen Raupen oder den Hartgummirädern der Fräsen, ertragen und gleichzeitig die Gesamtfahrzeughöhe sowie das zulässige Gesamtgewicht des Lastwagens garantieren, ohne dabei die Stabilität des Fahrzeugs zu vermindern.

Das Material für den Leichtbau: Feinkornbaustahl und Aluminium mit hoher Güteklasse. «Entsprechend dünner konnte man die tragenden Elemente bzw. die Stahlbaugruppe auslegen.» Die Voraussetzung: «Berechnung durch die Finite-Elemente-Methode» (FEM) mit einem Computer.

Konstruiert wurde die Brücke schliesslich von der Firma UT Umwelt- und Transporttechnik AG, wo eigens ein Schweisstisch für das Produkt angefertigt wurde. Anschliessend haben die UT-Ruggell und die Garage J. Eberle die Brücke auf das Chassis aufgebaut und Ende September beim 30-jährigen Jubiläum der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Fahrzeug: Renault Trucks C520 10x4

Die Brücke misst bei einer Gesamtlänge des Renault Trucks C520 10x4 von 11,2 Metern in der ebenen Fläche 7,4 Meter, die Ladehöhe beträgt nur 1,1 Meter. Die 3,1 Meter langen Rampen aus gefrästen Alu-Profilen sind verschiebbar und werden elektro-hydraulisch bewegt. «Der Hilfsrahmen ist durchgehend gleich stabil und tragfähig», betont Janin Eberle. Der wendige Fünfachser mit 5,1 Meter Radstand und einer gelenkten 10 Tonnen Nachlaufachse bietet 25,42 Tonnen Nutzlast. «Etwa so viel wiegen unsere schwersten Fräsmaschinen», bestätigte Markus Lampert. Der Renault Trucks C520 10x4 hat einen DTi13 Motor mit 534 PS Leistung und 2550 Nm Drehmoment sowie ein automatisiertes 13-Ganggetriebe mit Crawler sowie einen Retarder mit hoher Bremsleistung.

Die Firma La Fresa

Zwei stilisierte weisse Wildschweine sind das Markenzeichen des Unternehmens La Fresa (ital.: Die Fräse): «Wildschweine sind kräftig und reissen den Boden auf. Wie die Fräsen eben auch», erklärte Markus Lampert die weissen Wildschwein-Silhouetten auf den Kabinenflanken des neuen Renault Trucks C520. Die La Fresa Erich Elkuch GmbH wurde 2015 von der schweizweit im Strassen- und Industriebodenbau tätigen Reproad übernommen. 2021 kam das St. Galler Unternehmen Remora AG dazu und wurde mit La Fresa zusammengeschlossen. Die Marke La Fresa wurde im Fräsunternehmen Reproad beibehalten.

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