Der Akku, das teuerste Bestandteil eines Elektroautos, wurde in den letzten Jahren langsam aber sicher günstiger. Doch der Trend hat gekehrt.

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Der Trend schien unaufhaltsam, Jahr für Jahr sanken die Kosten für Li-Ion-Akkus. Dank Fortschritten in der Forschung und Skaleneffekten grösserer Produktionszahlen. Doch nun ist die Welt bekanntlich ordentlich aus den Fugen, und so gilt das «Naturgesetz» nun zumindest preislich nicht mehr. Schon in den letzten Monaten des letzten Jahres zogen die Preise für die «battery packs» an. Nun kommen die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg dazu; Experten verschieben deshalb die Hoffnung auf wieder sinkende Preise auf 2024.

Preistreibend wirkt sich die Marktsituation an, eine Kombination aus hoher Nachfrage und beschränktem Angebot. Seit 2020 erleben Elektroautos besonders in Europa einen Boom. Anderseits wachsen die Fertigungskapazitäten nur langsam, die Milliarden-Investitionen in Batteriefabriken auch in Europa werden erst jetzt getätigt.

Anderseits verteuern sich die Rohstoffe für die Li-Ion-Akkus. Das anteilsmässig wichtigste Metall, Nickel, wurde Anfang Jahres noch für rund $ 20'800 je Tonne gehandelt. Zwei Wochen nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine schnellte der Preis auf über $ 48'000 hoch, hat sich aber zuletzt bei etwa $ 33'000 eingependelt.

Lithium-Preise gingen durch die Decke

Besonders krass ist die Verteuerung aber beim Lithium. Der Weltmarktpreis für Lithiumcarbonat, gehandelt in chinesischen Yuan, hat sich in den letzten zwei Jahren verzehnfacht. Neue Produktionskapazitäten, welche die Engpässe beenden könnten, sind nicht vor 2024 in Sicht, fallende Preise ebenso wenig. Derzeit wird eine Tonne «battery grade» Lithiumcarbonat für rund CHF 73'000 gehandelt.

Vergleichsweise ein Sonderangebot ist da Kobalt, dessen Tonnenpreis sich von Sommer 2021 bis April 2022 von 41'000 «lediglich» auf 82'000 US-Dollar verdoppelt (war aber 2018 gar noch teurer). Noch besser sieht es bei Mangan aus, dessen Preis derzeit etwa dem Fünfjahresschnitt entspricht.

Die Automobilindustrie kalkuliert mit dem Akku-Preis pro kWh Speicherkapazität. Noch 2018 lagen die Kosten bei deutlich über $ 200. Anfang dieses Jahrzehnts kam die «magische» 100-Dollar-Grenze in Sichtweite, doch inzwischen wird eher wieder mit etwa 130 US-Dollar gerechnet. Um aber ein Elektroauto zum gleichen Preis (und mit einer vergleichbaren Gewinnmarge) wie eins mit Verbrennungsmotor anbieten zu können, wäre laut Experten ein kWh-Preis von 60 Dollar vonnöten.

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