MAN Truck & Bus, Knorr-Bremse, Leoni und Bosch bündeln ihre Kräfte für mehr Sicherheit, Flexibilität und Effizienz in der Logistik. Zusammen mit dem Anbieter für automatisierte Logistik Fernride und dem Test-Tool-Hersteller BTC Embedded Systems wollen sie im Projekt ATLAS-L4 bis Mitte dieses Jahrzehnts erstmals autonom fahrende Lkw auf der Autobahn zum Einsatz bringen.

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Das Forschungs- und Entwicklungs-Projekt ATLAS-L4 (Automatisierter Transport zwischen Logistikzentren auf Schnellstrassen im Level 4) hat den Betrieb autonomer Lastwagen auf öffentlichen Autobahnen und Schnellstrassen im Fokus und soll so einen Beitrag dazu leisten, Staus und Unfälle zu reduzieren, Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoss zu senken, die Flexibilität des Fahrzeugeinsatzes zu steigern und Konzepte gegen den Fahrpersonalmangel aufzuzeigen.

Im Zentrum des ganzheitlichen Projektansatzes verschiedener Partner aus Fahrzeugindustrie, Softwareentwicklung, Wissenschaft und Verwaltung steht die Entwicklung eines autonomen Lkw, der hinsichtlich Betriebssicherheit, Fernüberwachung und Datenübertragung alle Anforderungen an künftiges fahrerloses Fahren auf definierten öffentlichen Fern- und Schnellstrassen zwischen Logistikknotenpunkten erfüllt.

Das vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Vorhaben zielt damit bereits sehr konkret auf die Möglichkeiten ab, die das 2021 verabschiedete Gesetz zum autonomen Fahren eröffnet, mit dem Deutschland global eine Pionierstellung einnimmt. ATLAS-L4 trägt somit zur zukunftsfähigen Ausgestaltung des Strassengüterverkehrs bei und soll den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken. Mit dem Projekt soll bis Mitte des Jahrzehnts ein auf die Industrialisierung übertragbares Konzept für den Betrieb automatisierter Lkw auf der Autobahn vorliegen.

Förderprojekt ATLAS-L4: Projektpartner und Rollen

  • Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus ist verantwortlich für die Gesamtsystementwicklung und die Integration aller Komponenten in das Fahrzeug. Auch die Datenübertragung zum Fahrzeug und die Inbetriebnahme des Control Centers, das die Testfahrten im Sinne der im Gesetz zum autonomen Fahren vorgesehenen technischen Aufsicht überwachen wird, liegen in der Verantwortung von MAN.
  • Knorr-Bremse, Weltmarktführer für Bremssysteme, entwickelt die spezielle, redundant ausgelegte Bremssystemarchitektur, die den sicheren Betrieb eines Level-4-Lkw in jeder Situation ermöglicht.
  • Projektpartner Leoni stellt sicher, dass ebenso das Bordnetz und die elektronische Leitungsverteilung des Automatisierungssystems unabhängig von möglicherweise auftretenden Fehlern immer zuverlässig funktionieren.
  • Bosch Automotive Steering entwickelt ein fehlertolerantes Lenksystem für ATLAS-L4, das alle Anforderungen für die SAE-Level-4-Automatisierung erfüllt.
  • Das Münchner Startup Fernride untersucht die Möglichkeiten von Teleoperation im vom Projekt adressierten Hub-to-Hub-Szenario. Mit Fernrides Teleoperations-Plattform können autonome Fahrzeuge überwacht und bei Bedarf ferngesteuert werden.
  • Der Test-Tool-Hersteller BTC Embedded Systems AG widmet sich szenarien-basierten und simulativen Testansätzen zur Gesamtfahrzeugverifikation und Sicherheitsvalidierung unter besonderer Berücksichtigung von kritischen Fahrsituationen.
  • Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC erarbeitet im Projekt Methoden für Security-Risikoanalysen, die speziell auf das Umfeld automatisierter Lkw zugeschnitten sind.
  • Der Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TUM steuert seine Expertise hinsichtlich verschiedener Fahrdynamikaspekte bei und erarbeitet Interaktionskonzepte für die technische Aufsicht.
  • Das Institut für Regelungstechnik der TU Braunschweig erarbeitet unter anderem Konzepte für den sicheren Betrieb von Level-4-Lkw sowie für die technische Self-Awareness von automatisierten Fahrzeugen.
  • TÜV SÜD wird bei den Projekttestfahrten seine umfassende Erfahrung mit Testumgebungen für automatisierte Fahrzeuge einbringen, dabei die Fähigkeiten der Fahrzeuge selbst sowie die Validität der Simulation testen und im Rahmen des Freigabeprozesses die Sicherheit der Fahrzeuge im Förderprojekt bewerten.
  • Mit der Einführung des ersten kooperativen Dienstes «Baustellenwarner» hat die Autobahn GmbH die Grundlagen für das vernetzte und automatisierte Verkehrssystem der Zukunft gelegt und bringt aus Sicht des Strassenbetreibers ihre Erfahrung in Bezug auf die Anforderungen an das automatisierte Fahren in das Projekt ATLAS-L4 ein.
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