Das neue Schwerverkehrskontrollzentrum (SVKZ) in Giornico auf dem Gelände des stillgelegten Stahlwerks Monteforno ist offiziell in Betrieb genommen worden. Es ergänzt das bestehende Zentrum in Ripshausen im Kanton Uri und ist eines von 13 Zentren, die der Bund zur wirksamen Lenkung des alpenquerenden Schwerverkehrs in der ganzen Schweiz geplant hat.

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Der Planungsprozess für das Projekt begann im Jahr 2003, als das Umwelt-, Verkehrs- und Baudepartement (Dipartimento del territorio) des Kantons Tessin mittels Variantenstudie die Projektierungsgrundlagen erarbeitete und die Grösse und den Betrieb des Zentrums festlegte. Im Zuge der Eigentumsübertragung der Nationalstrassen von den Kantonen auf den Bund wurde das Vorhaben 2008 vom ASTRA übernommen, angepasst und aufgelegt. Im Jahr 2013 erfolgte die abschliessende Genehmigung durch das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), und nach der Sanierung der belasteten Böden wurde schliesslich 2018 mit den Bauarbeiten begonnen.

Das Schwerverkehrskontrollzentrum Giornico

Das neue SVKZ wurde auf einem rund 170’000 Quadratmeter grossen Areal zwischen den Ortschaften Giornico und Bodio errichtet. Die Lage am Fusse der Auffahrtsrampe zum Gotthard-Strassentunnel ist strategisch ideal für die Kontrolle der Lastwagen. Der neue Autobahnanschluss Giornico-Bodio, der für den Verkehr geöffnet worden ist, verbindet das SVKZ direkt mit der Autobahn A2. Das Gebäude 1 (Hauptgebäude) dient administrativen Zwecken und beherbergt Büros, Konferenz-, Technik- und Lagerräume, die Kasse sowie ein Mindestangebot an Einrichtungen für die Chauffeurinnen und Chauffeure. Es hat die Form eines grossen Portals, unter dem alle Lastwagen durchfahren. Hier erfolgt die Triage der Fahrzeuge: Nach der Kontrolle von Gewicht und Höhe wird entschieden, ob die Chauffeurin oder der Chauffeur direkt weiterfahren darf oder ob weitere Überprüfungen erforderlich sind.
Das Gebäude 2 ist eine grosse Halle, in der neben einer Werkstatt mit den nötigen technischen Einrichtungen für die Kontrolle der Bremsen, der Lichter und der Abgasanlage usw. auch die Arbeitsplätze des Kontrollpersonals mit den zugehörigen Betriebsräumen untergebracht sind.
Fahrzeuge, die stillgelegt werden müssen oder deren Ladung beschlagnahmt wird, sowie eingezogene Fahrzeuge können schliesslich im Gebäude 3 parkiert werden.
Bis zur Fertigstellung der Multiservice-Anlage bietet das SVKZ dank der Ladestationen sowie der Flüssigerdgas- und Wasserstofftankstellen auch moderne Betankungs- und Lademöglichkeiten für leichte und schwere Fahrzeuge.
Die drei Gebäude wurden vor Kurzem nach Minergie zertifiziert.

Besseres Verkehrsmanagement

Dank dem SVKZ kann künftig der Schwerverkehr in Richtung Norden dosiert werden, wodurch sich die heutigen logistischen, sicherheits- und umwelttechnischen Probleme deutlich entschärfen dürften. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei Ereignissen (z. B. Pannen, Schneefall, Zollsperren) auch das Verkehrsaufkommen in Richtung Süden gesteuert werden kann und die Abstellplätze des SVKZ für die Nacht- und Ruhezeiten auch als Warteraum für Lastwagen dienen können.

Weitere bauliche Massnahmen

Zusätzlich zur Errichtung des neuen Kontrollzentrums wurden im Rahmen des Projekts mehrere weitere bauliche Massnahmen durchgeführt, darunter die Realisierung des neuen Autobahnanschlusses Giornico-Bodio, die Änderung von Strassenverläufen sowie der Bau von Unterführungen, einer Brücke, eines Verkehrskreisels, eines Radwegs und einer Strassenabwasserbehandlungsanlage (SABA).

Positive Auswirkungen erwartet

Das neue Zentrum setzt zudem wirtschaftliche Impulse. So werden zum einen 50 neue Polizeiassistentinnen und Polizeiassistenten eingestellt, die speziell für die Arbeit im Bereich der Verkehrssicherheit ausgebildet sind. Zum anderen eröffnen sich dank des neuen Autobahnanschlusses Giornico neue Perspektiven für das dortige Industriegebiet, denn dieser entlastet die Kantonsstrasse vom Schwerverkehr und schafft einen Mehrwert für die ganze Region.
Nicht zuletzt trägt das SVKZ zur Verringerung der Umweltbelastung bei, da die Lastwagen künftig insbesondere im Winter nicht mehr mit laufendem Motor am Rand der Autobahn warten müssen.

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