Die fortschreitende Elektrifizierung neuer Personen- und Lieferwagen hat zu einem starken Rückgang der Schweizer CO2-Sanktionen für Fahrzeugimporteure geführt. Wie das Bundesamt für Energie (BFE) mitteilt, betragen die 2021 erhobenen Strafbeträge für Personenwagen 28,1 Millionen Franken – 2020 hatten diese noch bei 132,1 Millionen Franken gelegen.

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Seit der Umstellung auf das realistischere WLTP-Messverfahren für Neufahrzeuge (World Light Vehicles Test Procedure) gelten in der Schweiz entsprechend angepasste CO2-Zielwerte von durchschnittlich 118 Gramm pro Kilometer für neuimmatrikulierte Personenwagen (PW) sowie 186 Gramm pro Kilometer für Lieferwagen und leichte Sattelschlepper. Für die Sanktionsberechnung 2021 wurden aufgrund der Einführungsmodalitäten zu den seit 2020 abgesenkten Zielwerten jene 90 Prozent der Neufahrzeuge mit den tiefsten Emissionen herangezogen («Phasing-in»). Zudem konnten Importeure eine 1,66-fache Mehrfachzählung von Fahrzeugen mit weniger als 50 g CO2/km geltend machen, sofern ihnen noch ein Budget aus ihrem Guthaben (9,3 g Absenkung über die drei Einführungsjahre 2020 bis 2022) zur Verfügung stand. Bezieht man die Einführungsmodalitäten bei der Berechnung ein, so ergibt sich der sogenannte «gewichtete CO2-Durchschnittswert», der massgeblich für die Sanktionsberechnung ist.

auto-schweiz-Mitglieder unterbieten PW-Zielwert

Wie auto-schweiz bereits im Februar 2022 aufgrund eigener Berechnungen dargelegt hat, haben die angeschlossenen Importeure mit ihrem gewichteten CO2-Durchschnittswert neuer Personenwagen 2021 den Zielwert von 118 Gramm pro Kilometer eingehalten. «Die Zahlen des BFE belegen eine Übererfüllung des CO2-Ziels durch die Mitglieder von auto-schweiz um rund 1,5 Gramm pro Kilometer», freut sich auto-schweiz-Präsident Albert Rösti. «Dies zeigt eindrücklich, dass die Automobil-Importeure und mit ihnen die gesamte Branche auf dem richtigen Weg bei der Absenkung von CO2-Emissionen sind. Das breitgefächerte Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen und deren hohe Attraktivität für Kundinnen und Kunden haben massgeblich zu diesem Erfolg beigetragen.»

Schaffung guter Rahmenbedingungen für Elektromobilität

Das weitere Marktwachstum bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ist angesichts der Ankündigungen der Automobilhersteller absehbar. Laut Albert Rösti ist die Schweiz momentan schlecht auf diese Entwicklung vorbereitet: «Wir haben grosse Hürden beim Aufbau der Ladeinfrastruktur, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum. Ich habe deshalb den Bundesrat bereits per Parlamentsvorstoss gefragt, wie er das Ladeinfrastruktur-Problem lösen will. Angesichts dessen, dass bis 2025 rund eine halbe Million Steckerfahrzeuge auf unseren Strassen unterwegs sein werden, ist auch das Ziel von 20'000 öffentlichen Ladestationen im Rahmen der ‘Roadmap Elektromobilität’ des UVEK deutlich zu gering ausgefallen.»

Auch die Sicherstellung einer ausreichenden Produktion und zuverlässigen Verteilung von CO2-armem Strom, möglichst aus inländischen Quellen, sei für die Elektrifizierung des Strassenverkehrs von elementarer Bedeutung. Noch einmal Albert Rösti: «Die Schweiz verfolgt die Prämisse, die CO2-Vorschriften für Neufahrzeuge von der Europäischen Union zu übernehmen. Dies sind die weltweit strengsten Vorgaben – nun brauchen wir auch die weltweit besten Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, um diese Ziele erreichen zu können.»

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